Willkommen in Poppelsdorf
Willkommen in Poppelsdorf

Doppeljubiläum an St. Sebastian

Am Sonntag, 29. September 2013, durften wir an St. Sebastian ein Doppeljubiläum feiern.

 

Am 23.09.1888, also vor 125 Jahren wurde der Grundstein für unsere Pfarrkirche gelegt. Am 29.09.1963 wurde die neue Klais-Orgel feierlich eingeweiht. Die Festmesse zum Jubiläum gestaltete unser Kirchenchor mit der Krönungsmesse von W.A. Mozart, begleitet von Solisten und Orchester. Nach der Messe versammelte sich die Gemeinde zu einem Frühschoppen im Kirchgarten. Die 31 Messdiener aus unserer Pfarreiengemeinschaft, die am 20.10. zur Romwallfahrt der Messdiener unserer Diözese aufbrechen werden, verkauften Kaffee und Kuchen, um ihre Reisekasse für gemeinsame Unternehmungen in Rom zu füllen. Der Ortsauschuss sorgte für Freibier vom Fass, alkoholfreie Getränke, Brot und Dipps.  Am Nachmittag lud unser Kantor Christoph Hamm zu einem Orgelkonzert ein. Zum Jubiläum „50 Jahre Klais Orgel“ spielte er Werke von Bruhns, Bach, Mendelssohn und Vierne. Ein gelungenes Fest der Gemeinde, das Viele zum Mitfeiern anlockte. Allen, die zum guten Gelingen beigetragen haben, sagen wir herzlichen Dank. (Für den Ortsausschuss St. Sebastian - Karl-Heinz Kron) 

 

Die Festpredigt von Dechant Bernd Kemmerling können Sie unten auf dieser Seite nachlesen!

  

Impressionen vom Jubiläum

Fotos: Wolfgang Bongartz

Festpredit von unserem Pastor, Dechant Bernd Kemmerling

Liebe Mitchristen,

 

Grundsteinlegungen von Kirchen sind in unseren westlichen Breitengraden ehr selten geworden. Unser ehemaliger Weihbischof Heiner Koch, jetzt Bischof von Dresden und Meißen, hatte im Frühjahr diesen Jahres die Freude, den Grundstein für die neue Probsteikirche in Leipzig zu legen. Heute müssen leider vermehrt Profanierungen, Umwidmungen oder gar Abrisse von Kirchenbauten diskutiert werden, weil die Kosten der Instandhaltung nicht mehr bezahlt werden können, oder aber auch einfach, weil sie überflüssig geworden sind, weil keiner mehr reingeht. Damals, zur Zeit der  Grundsteinlegung von Sankt Sebastian – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sah das ganz anders aus. Die Notwendigkeit der stetig wachsenden Kapellengemeinde, eine neue, große Kirche zu bauen, war evident. Die 80 Quadratmeter der Kapelle am Poppelsdorfer Platz reichten schon lange nicht mehr aus, alleine die 512 Schulkinder zu fassen, geschweige denn die stetig wachsende Zahl der übrigen Katholiken. Poppelsdorf boomte in dieser Zeit. Sönnecken, Wessels, die Unibediensteten und und und. Schon am 2. November 1863 war ein Kirchbauverein gegründet worden, der sich den Neubau einer großen Kirche für Poppelsdorf zum Ziel gesetzt hatte: monatlicher Mitgliedsbeitrag – 5 Pfennig. Gesammelt und gespendet wurde kräftig, so dass am 5. Oktober 1881 schon einmal der Bauplatz für damals 20.000 Goldmark gekauft werden konnte. Der innige Wunsch eine neue Kirche bauen zu können, drückte sich damals auch im Vereinslied des  Kirchbauvereins aus, in dem es unter anderem hieß

 

Zu dir schau´n wir auf und flehn,

wollest gnädig bei uns stehn,

Heiliger Sebastian

Arm sind wir und möchten gern,

Bau´n ein Haus dem höchsten Herrn,

heiliger Sebastian

 

Sorg, das noch manch milde Hand,

hülf uns bringe rings im Land

Heiliger Sebastian

Dass ein jeder mit uns fleht,

bis die Kirche fertig steht

Heiliger Sebastian

Wenn dereinst das Werk gekrönt,

Gottes Lob darin ertönt,

Heiliger Sebastian

Dann ist Gottes Ehr gemehrt,

und erfüllt, was wir begehrt

heiliger Sebastian

 

Heute, liebe Schwestern und Brüder, können wir am Tag des Jubiläums der Grundsteinlegung sagen: Das Flehen und Beten und Kötten von damals hat sich gelohnt: Das Werk ist wahrlich gekrönt und gelungen. Mit Freude und Dankbarkeit können wir behaupten: Sankt Sebastian gehört – durch den Wechsel der Zeiten hindurch - heute bestimmt mit zu den schönsten Pfarrkirche Bonns – gerade auch so frisch saniert und restauriert wie heute. Mit Dankbarkeit und Freude können wir aber auch wahrnehmen, dass diese Kirche aus Steinen für viele Menschen hier in Poppelsdorf, im Pfarrverband und darüber hinaus, ein geschätzter und beliebter Ort ist, an dem sie zusammen mit anderen ihren Glauben feiern und vertiefen dürfen. Ja, auch Nichtgläubige, Suchende kommen gerne werktags zum Beispiel in die Kapelle und genießen einfach nur die Ruhe und das Nachdenken können.

 

Als Pastor bin ich froh, dass dieses große Kirche immer wieder einmal gut gefüllt ist – ja - zu bestimmten Zeiten manchmal sogar aus den Nähten platzt - froh auch besonders darüber, dass es besonders auch viele junge Familien sind, die gerne in unsere Gottesdienste kommen. Die Kirche Gottes lebt eben für und von den lebendigen Steinen, den lebendigen Menschen, die hier im Gotteshaus ihren Glauben feiern, und dann draußen, sprich in ihrem Alltag, gemeinsam versuchen, ihn in Liebe zu bezeugen. Wie es im 1 Kor – Brief heisst: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt. Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. Eine revolutionäre Idee des Paulus: Der vornehmliche Ort der Gottesbegegnung ist seit dem Christusereignis nicht mehr der Tempel aus Stein, sondern eine Person: Jesus Christus – und jeder, der an ihn glaubt. Wir sind Tempel – Ort der Gegenwart Gottes in unserer Zeit – Ort der Gottesbegegnung für jeden, der nach Gott sucht. Andernfalls – ohne den Geist Gottes – ohne  lebendige Christen - wäre dieser Kirchenbau ein Museum, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, ohne wirkliches Leben.

 

Wir alle wissen, liebe Mitchristen, Gott selbst braucht einen solchen Raum eines Gotteshauses nicht.
Zweifelsohne: Gott ist immer größer als alle Räume, weil er alle Dimensionen sprengt. Aber wir Menschen brauchen einen solchen Kirchenbau. Wir Menschen brauchen einen Ort, an dem wir uns dieser unserer Berufung inne werden können – lebendige Steine zu sein aus Fleisch und Blut, mit denen Gott sein reich der Gerechtigkeit und des Friedens heute bauen will. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen – heisst es im 1. Petrusbrief.

 

Alles, was wir Menschen erleben und tun, vollzieht sich in den Dimensionen von Zeit und Raum. Auch unsere Gottesbeziehung löst sich auf, wenn wir ihr keine Zeit und keinen Raum mehr geben. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir als Christen sensibel wahrnehmen, wenn uns die geschützten Zeiten für Gott, zum Beispiel der arbeitsfreie Sonntag, oder der Raum für Ruhe und Besinnung im Advent, genommen werden sollen. 


Wir Menschen brauchen einen Ort, an dem wir in Wort und Sakrament dem lebendigen Gott begegnen können. Einen Ort, an dem wir uns als Schwestern und Brüder im Glauben wahrnehmen und stärken können. Einen Ort, wo wir unser spannungsvolles Leben im Beten, Singen, Musizieren und Schweigen vor Gott tragen können. Wir Menschen einer säkularen Zeit brauchen einen solchen Ort für alle, die ihr Leben ganz weltimmanent auf den Horizont von geboren werden und sterben müssen beschränkt haben, ohne Platz für das Transzendente, göttliche und Ewige. Kirchen sind darum heilsame Störenfriede, die eine dauernde Anfrage an dieses Lebenskonzept darstellen, in dem Gott keinen Raum und keine Zeit hat – nicht vorkommt. Wenn ich daran denke, dass der Tempel in Jerusalem für die Israeliten nach der Unstetigkeit der Wüstenwanderung auch vornehmlich der Ort der menuha Jahwes,der Ruhe Gottes war, wo ihre Seele am Ort der Ruhe Gottes selbst zur Ruhe kam, dann kommt in mir der Wunsch hoch, das auch unsere Gotteshäuser mehr als bisher, Orte der Ruhe werden, wo wir es wagen, den Besuchern wirklich Zeiten der Ruhe, Freiräume zu zu muten, die ihnen, helfen, wieder mehr zu sich, und darin zu Gott zu finden. Wahrlich etwas, was bestimmt gelernt werden muss. In Zeiten der Ruhe nicht nervös zu werden, sondern sie zu genießen. Wieviel kann dabei ein schönes Orgelstück helfen.

 

Liebe Mitchristen, wenn heute die Feier der Grundsteinlegung unserer Kirche zusammen gefeiert wird mit dem Jubiläum unserer Klaisorgel, die nun seit 50 Jahren zur Ehre Gottes und uns allen zur Freude ertönt, dann passen diese beiden Jubiläen, so meine ich, gut zusammen, weil sie eine doppelte Grundsehnsucht von uns Menschen ansprechen, die in uns allen steckt: die Sehnsucht fest verankert zu sein, und die Sehnsucht Flügel zu haben!

 

Der Grundstein erinnert daran, wie grundlegend wichtig es ist, dass bei einem Bau das Fundament stimmt, der ganze Bau gründlich geplant und konzipiert ist, soll er dann tragfähig sein und halten.

Grundsteinlegung assoziiert für mich darum Erdung, Verwurzelung, Grundlegung, Verankerung. Alles etwas, was wir für unser Lebenshaus alle ersehnen. In der Menschwerdung Jesu Christi hat
Gott seine Liebe ganz fest hier auf der Erde verankert, grundgelegt, und uns allen Grund gegeben, getrost auf ihn als Fundament unser Lebenshaus aufzubauen, uns in ihm und seiner Liebe fest zu machen, und ihrer Tragfähigkeit zu vertrauen – auch über den Tod hinaus. Aber diese unsere Sehnsucht nach Sicherheit, die Sehnsucht danach, ein Obdach, einen begrenzten Raum zu haben für unsere Seele, der sie birgt und schützt, geht einher mit der Sehnsucht nach Freiheit, Weite und Entgrenzung, nach Beflügelung und Leichtigkeit, die auch in uns lebt. Und hier kommt nun für mich die Orgel „ins Spiel“, denn sie greift beispielhaft diese Sehnsucht nach Weite und nach Entgrenzung auf. Assoziiert der Grundstein immer zuerst Bodenhaftung, das Irdische mit seinen Möglichkeiten im hier und jetzt hier unten auf Erden, so versteht es die Orgel da Oben mit ihren Klängen uns immer wieder über das Irdische und Alltägliche, was das Leben so eng machen kann, zu erheben, uns in himmlische Sphären zu locken und – via Musik, jenseits von Raum und Zeit zu entführen in einen Raum, den wir Ewigkeit nennen. Wir alle wissen - gerade Musik kann uns ja mit Räumen in Verbindung bringen – kann Räume erschließen, die uns in eine entgrenzte Weite führen und gerade darin zutiefst berühren können. Und es ist geradezu paradox, dass die Kirchen nur deshalb Orte der Entgrenzung sind, weil sich der unendliche Gott selber in der Inkarnation begrenzt hat auf  dieses Menschenleben Jesu von Nazareth, auf diese Jahre und konkreten Orte seines Lebens und Wirkens, weil er sich in der Fortführung festgelegt hat auf seine wunderbare Gegenwart in Worten und Zeichen, in den Sakramenten an einem ganz konkreten Ort im hier und jetzt – hier im Tabernakel.

 

Genießen wir in dieser Stunde also beides: dass wir in Jesus Christus einen tragfähigen Grundstein haben, auf dem wir voller Vertrauen unser Lebenshaus aufbauen können. Und dass sich uns hier unten auf Erden Dank der Orgel und Kirchenmusik immer wieder der Himmel öffnet. Wie hieß es noch mal in der letzten Strophe des Vereinsliedes des Kirchbauvereins: Wenn dereinst das Werk gekrönt, Gottes Lob darin ertönt! Womit könnte man also das gelungene Werk besser krönen als mit der Krönungsmesse von Mozart? 

 

Dechant Bernd Kemmerling 

 

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Redaktion: Karl-Heinz Kron

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