Willkommen in Poppelsdorf
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Wielsgäßchen

Straßenschild WielsgäßchenDas Wielsgässchen und auch die jenseits der B9 gelegene Wielstraße erinnern an einen Poppelsdorfer Lehrer, der 1818 seinen Dienst hier antrat. Sein Name sollte nicht vergessen werden, denn mit ihm erlebte das Schulwesen bei uns eine entscheidende Wende.

Schon hundert Jahre vorher ist ein Lehrer in den Kirchenbüchern bezeugt, ein Christian Krautwigh. Er gehört in die Reihe der Schulmeister, die von den Kurfürsten ins Dorf berufen wurden, um den Kindern der Hofbediensteten, der Handwerker und der Tagelöhner etwas an Lesen, Rechnen, Schreiben, vor allem aber Religion beizubringen. Damit erschöpfte sich die Fürsorge der Landesherren, denn sie nahmen kaum Einfluss auf die Qualitäten der Schulmeister, die dem Pfarrer von St. Martin in Bonn unterstanden. Gekoppelt an das Lehramt war die Tätigkeit als Kapellenoffermann, was das Amt des Küsters bezeichnete. Er hatte für die Instandhaltung der Poppelsdorfer Kapelle zu sorgen, für die Vorbereitung des Gottesdienstes und was sonst noch an Diensten verlangt wurde. Für die Schule brachten sie kaum eine Vorbildung mit. Dementsprechend war auch die Entlohnung, welche so knapp ausfiel, dass es meist nicht einmal für das tägliche Mittagessen reichte. Deshalb hatte man einen wandernden Mittagstisch für den Lehrer eingerichtet, der dem Schulmeister wechselnd jeden Tag einen Platz an einem anderen Familientisch bescherte. So konnte es kommen, dass der arme Mann eine Woche lang, jeden Mittag woanders, aber immer wieder Sauerkraut zu essen bekam. Zwar sollte der Küster-Lehrer vom Schulgeld der ihm anvertrauten Kinder leben, aber oft waren deren Eltern so arm, dass sie das Geld nicht aufbringen konnten, oder aber die Kinder kamen überhaupt nicht zur Schule, weil sie als Arbeitskräfte zu Hause oder auf dem Feld gebraucht wurden.

Das erste nachweisbare Schulhaus lag neben der Poppelsdorfer Kapelle, die stand an der Kreuzung der heutigen Clemens-August- Straße und der Sebastianstraße, die früher Endenicher Weg hieß. Es war ein einfacher Fachwerkbau, von dem es in dem Bericht des Oberpräsidenten von Solms-Laubach hieß: „Das Schulhaus in Poppelsdorf ist schlecht. Das Schulzimmer ist zu klein, hat wenig Licht und ist dumpfig. Es muss geweißt werden. Zur Schule gehören 50 Kinder. Der Lehrer B., der zugleich Küster ist, hat keine Bildung und ist zum Lehramt unfähig. …“

Alte Schule Clemens-August-Straße Das änderte sich mit dem Mann, der Caspar Wiel hieß. Er stammt aus dem Städtchen Blankenberg/Sieg und gehörte zu den ersten ausgebildeten Lehrern. Er muss ein energischer Herr gewesen sein, der bald Achtung und Zuneigung des Ortes gewann. Er hatte neben der Schule noch eine Leidenschaft, die Obstbaumzucht, die er den Schülern, aber auch den Poppelsdorfer mit Erfolg vermittelte, so dass er sogar deswegen ausgezeichnet wurde, was im Amtsblatt der Regierung vom 2. April 1825 lobend erwähnt worden ist.

Weil die Schulräume immer wieder zu eng wurden und deswegen oft andere angemietet werden mussten, entschloss Wiel sich zum Bau eines eigenen Hauses in der Clemens- August-Straße 36 (es steht heute nicht mehr), wo er zunächst ein festes Klassenzimmer vorsah. Bis 1833 versah Caspar Wiel noch zusätzlich das Amt des Küsters, was er dann abgab, ohne es für seine Nachfolger auszuschließen. Er bezog auch ein regelmäßiges festes Gehalt, dazu das Schulgeld der Kinder und eine Aufbesserung aus einer Stiftung, die der Poppelsdorfer Orgelbauer Peter Kemper zum Wohle der Lehrer und damit eigens für die Kinder eingerichtet hatte. Diese Stiftung besteht heute noch und soll ausschließlich den Kindern aus Poppelsdorf zugute kommen.

Bis zum 31. Dezember 1859 versah Caspar Wiel seinen segensreichen Dienst an der Schule. Dann begann eine neue Ära, indem für die Schule ein eigenes Gebäude an der Kessenicher Straße (heute Sternenburgstraße) erbaut wurde. Dieses Haus dient heute noch als Schule. In der direkten Nachbarschaft ist das Wielsgässchen zu finden, das den Gedankenanstoß zur Schulgeschichte gibt. Auf dem Jahresstein über dem Eingang des roten Gebäudes (Sternenburgstr. 23) prangt die Jahreszahl 1860, was uns die Hoffnung auf ein Jubiläum im nächsten Jahr 2010 schenkt. Wir werden darüber berichten!

Helmut Uessem

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Auch an St. Sebastian in Poppelsdorf wird am 11. und 12. November ein neuer PGR gewählt

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Redaktion: Karl-Heinz Kron

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